RIO NEGRO
Theaterstück nach der Mundarterzählung von Ernst BurrenGespielt von Hanspeter Bader
Beat erwartet den Besuch von Lilian. Er möchte sie für eine Reise an den Rio Negro begeistern, die er selbst schon mal gemacht hat. Die Erinnerungen an diese Reise mischen sich mit Zukunftsperspektiven und alten Geschichten aus seinem Bekanntenkreis. Doch die Flucht in die exotische Amazonaslandschaft löst keine Probleme, die es tagtäglich im zwischenmenschlichen Bereich zu bewältigen gilt. Ein Stück über das Warten auf das Leben und das Verpassen von Möglichkeiten.
Burren schafft beklemmende Alltagsbilder, in denen die Sprache wie eine dünne Haut über der Ratlosigkeit, der Trauer und der Verzweiflung liegt. Und es wäre zum Weinen, wenn es nicht so unglaublich komisch wäre. Die grossen Dinge des Lebens hocken nun einmal in den erbärmlichsten Banalitäten des Alltags.
Rio Negro
Mit Hanspeter Bader
Theaterfassung Christian Haller
Regie Walter Küng
Bühne und Kostüme Madeleine Lehmann
Vom Urtext zur Dramatisierung: Ernst Burren und Christian Haller
Der in Oberdorf bei Solothurn geborene Lehrer und Schriftsteller Ernst Burren hat sich in den letzten vier Jahrzehnten als Schweizer Mundart-autor einen Namen gemacht. Zu Beginn, anfangs der siebziger Jahre, liess er sich von den Mundartgedichten der Schweizer Autoren Ernst Eggimann oder Kurt Marti inspirieren, im weiteren Verlauf seiner Karriere entwickelte er sich jedoch zu einem der wenigen Schweizer Schriftsteller, welcher seine Texte ausschliesslich in Dialekt nieder-schrieb.Aus dem dörflichen Mikrokosmos schöpft Burren das Material seiner
Geschichten und Gedichte; das Dorf und seine Bewohner werden bei ihm zum Daseinsparadigma erhoben. In fast allen seinen Erzählungen erscheinen Figuren, die dieser dörflichen Welt angehören und über sie nicht hinauskommen können: Es geht um das berühmte stereotype Bild der "kleinen Leute", die mehr oder weniger rechtschaffen ihren Alltag hinter sich bringen und am Auge des durchschnittlichen Beobachters stumm und unerkannt vorbeiziehen. Diese Personen öffnen in Burrens Geschichten ihre Münder und legen in selbstvergessenen Selbstge-sprächen über ihr Leben Zeugnis ab.
Es ist nicht das erste Mal, dass Christian Haller, ein ebenfalls renommierter Autor der Schweizer Gegenwart, einen Text Burrens für das Theater überarbeitet. (vgl.1992: "Näschtwermi", Bühnenfassung nach einer Erzählung Ernst Burrens,Tuchlaube Aarau und 2001: "D Fahneweih – es Summernachtsfescht", EinTheaterabend nach Texten von Ernst Burren.) Hallers Bühnenfassung der 1989 erschienenen Erzählung Rio Negro sucht den Text für die Bühne zu verdichten.
Zur Figur Beat
Zwischen Dorfbewohnern und IndianernBeat, der in seinem Zimmer sitzt und sich einerseits seine Ferien in Erinnerung ruft, andererseits über seinen Alltag und seine Umwelt nachdenkt, lässt zwei Sehnsüchte erkennen: die nach jener sympathischen Arbeitskollegin, auf deren eventuellen Besuch er sich vorbereitet, und jene nach seiner bereits länger zurückliegenden Reise durch die Brasilianische Flusslandschaft des Rio Negro.
Durch seine Erzählung werden Schweizer Alltagssituationen mit Naturbildern Brasiliens konterkariert und teilweise prägnant verquickt. Während sich im Berichten über das Leben der Dorfbewohner in der Schweiz eine problematische, enge, statische Welt auftut, eröffnen die Erinnerungen an Brasiliens Natur umso mehr bewegte, kraftvolle Bilder.
"Das isch gäng es schöns Büud gsi, wenn zum Inachte hunderti vo Reiher us aune Richtige si cho z flüge, und sich uf de Böim hei es Plätzli gsuecht. Mir si aube im Bootli ghocket und hei zugluegt. Niemer het es Wort gret. Aui hei beobachtet, wie immer no meh Reiher si cho z flüge, sich gsetzt hei, wider ufgschtange si, aber no kei Ruei hei gha, uf angeri Escht si gfloge, dört Rieher vertribe hei, wo sich scho lang fridlich igrichtet hei gha. De hei die wider es nüis Plätzli müesse sueche, ou wider angeri wäggjage. Natürlich aus mit grossem Lärm. De si no meh vo dene schöne wisse Vögu cho z flüge, und ou die hei non es Plätzli gfunge. Drwile isch d Sunne ungergange, und die Böim, vou vo wisse Vögu, hei usgseh wie Schneebaue. Plötzlich ischs rueig worde. Aui hei sich äuä jetze dört wou gfüeut, wo si si gsi."
Beat und das Andere
Beat selbst scheint die Heimsuchung vergangener Reisebilder nicht unangenehm zu finden. Von aussen jedoch sehen wir eine eher einsame Figur, die, um sich lebendig zu fühlen, der Vergangenheit nachhängt. Worauf wartet Beat? Ist er glücklich, wie es sein Name verspricht? Sein innerer Monolog wirkt eigentümlich unbewusst, unleidenschaftlich und abgegrenzt von seiner Umwelt.
Dem Mann ist nicht bewusst, dass er kein eigenes Leben führt und keine direkte Selbstreflexion betreibt. So viel er von seiner spektakulären Reise und seinen Bekannten auch zu berichten weiss, er verliert dabei kaum ein Wort über sich selbst. So erfährt man Beat darüber, was er über andere oder über das Andere, das ihm in seinen Ferien begegnet, erzählt. Als Beat davon berichtet, entpuppt sich Burrens Beat selbst als Beckett nahe Figur, deren Lebensthema dem Warten nahe ist.
Zur Aktualität des Dialektstückes Rio Negro
Die Einheit Dorf hat sich seit der Industrialisierung mannigfach gewandelt. Burrens dörfliche Heimat ist eine unheimliche, ungemütliche, nur zum Schein vertraute. So heimatlich sich der Schweizer Dialekt anhören mag, so entfremdend wirft uns Burrens Text auf uns selber zurück.
Die Inszenierung Walter Küngs beabsichtigt die Grenzen des heutigen
Dorfbewohners in und um uns herum auf der Bühne zu erforschen.
Die Themen "Einsamkeit", "Lebensfatalität", "Heimat" und "Ferne" sollen gestalterisch erarbeitet werden.
Die Mundart wird heute, sei es in Musik, Literatur und Theater wieder sehr intensiv gepflegt.
Ein neues Selbstbewusstein ihr gegenüber tut sich darin kund.
Hanspeter Bader, Schauspieler
Geboren 1956 in Solothurn. Seit 1979 als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen deutschen Theatern tätig: u.a. Junges Theater Göttingen, Stadttheater Konstanz zuletzt am Staatstheater Hannover und am Thalia Theater Hamburg. Lebt seit 2002 wieder in Solothurn, wo er neben seiner Tätigkeit als Schauspieler und Regisseur für das Theater Biel-Solothurn, die Comedy Serien "Soko Solo 11", "Sosolu" und "Sollywood" realisiert hat.
Mitwirkung als Schauspieler in verschiedenen Schweizer Film- und Fernsehproduktionen. Ua. "Auf der Strecke" (Reto Caffi), "pepperminta" (Pippilotti Rist), "Nebenwirkungen" (Manuel Siebenmann), "Swiss love" (Fulvio Bernasconi), "Tag und Nacht" (Schweizer Fernsehen)
2005 Preis des Kantons Solothurn für Schauspiel und Regie.
Letzte Arbeiten als Schauspieler und Mitautor in Don Quijote-the making of dreams, Freilichtspektakel auf dem Expo-Gelände Biel-Nidau Sommer 2008 und in Der Messias, Theater im Uferbau Solothurn Dez/Jan 08/09
Mitwirkung als Schauspieler in verschiedenen Schweizer Film- und Fernsehproduktionen. Ua. "Auf der Strecke" (Reto Caffi), "pepperminta" (Pippilotti Rist), "Nebenwirkungen" (Manuel Siebenmann), "Swiss love" (Fulvio Bernasconi), "Tag und Nacht" (Schweizer Fernsehen)
2005 Preis des Kantons Solothurn für Schauspiel und Regie.
Letzte Arbeiten als Schauspieler und Mitautor in Don Quijote-the making of dreams, Freilichtspektakel auf dem Expo-Gelände Biel-Nidau Sommer 2008 und in Der Messias, Theater im Uferbau Solothurn Dez/Jan 08/09
Ernst Burren, Autor
Der am 20. November 1944 in Oberdorf bei Solothurn geborene Schriftsteller Ernst Burren besuchte das Lehrerseminar in Solothurn. Seither ist er als Primarlehrer tätig. Ernst Burren lebt heute in Oberdorf. Als einer der bedeutendsten Mundartautoren der Gegenwart stellt Burren anhand vieler Einzelperspektiven die Hintergründigkeit des Lebens in einem Dorf des Solothurnischen Jurasüdfusses dar. Die Idylle des Mikrokosmos erweist sich bei genauerem Hinsehen als wahres Labyrinth leidvoller Selbstverlorenheit. Selbstbelügung und Anpassungszwänge prägen das Leben der kleinen Leute sogar in ihren Sehnsüchten und Erinnerungen. Neben Gedichten und Prosa verfasste Burren auch Theaterstücke und arbeitete für Radio und Fernsehen.
Burren war Mitglied der "Gruppe Olten" und wurde mit zahlreichen Preisen
ausgezeichnet.
Burren war Mitglied der "Gruppe Olten" und wurde mit zahlreichen Preisen
ausgezeichnet.
Christian Haller, Dramatisierung
Geboren am 28. 2. 1943 in Brugg, Kt. Aargau. Studium der Zoologie an der Universität Basel, Diplomabschluß. Sichtung und Verfilmung des Nachlasses von Adrien Turel (schweiz. Philosoph und Schriftsteller) im Auftrag von Kanton und Stadt Zürich. Acht Jahren Bereichsleiter der "Sozialen Studien" am Gottlieb Duttweiler-Institut in Rüschlikon/Zürich. Vier Jahre Dramaturg am Theater "Claque" in Baden. 1987 – 1995 und Präsident der Vereinigten Theaterschaffende der Schweiz sowie Mitglied der Theaterkommission der Stadt Zürich.
Mitglied der Jury der Schweizerischen Schillerstiftung.
Christian Haller lebt als freier Schriftsteller in Laufenburg, Schweiz.
www.christianhaller.ch
Mitglied der Jury der Schweizerischen Schillerstiftung.
Christian Haller lebt als freier Schriftsteller in Laufenburg, Schweiz.
www.christianhaller.ch
Walter Küng, Regie
1952 in Rheinfelden (Kt. Aargau), arbeitet als Schauspieler und
Regisseur. Seine Ausbildung erhielt er bei Ellen Widmann in Zürich und am Reinhard Seminar in Wien. Es folgten Engagements am Stadttheater Bern, der Claque Baden, dem Theater Basel und in zahlreichen freien Produktionen in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Von 1998 bis 2000 war er als Schauspieler am Schauspielhaus Zürich, so z.B. in „Woyzeck“ Regie Karin Henkel, engagiert. 1999 inszenierte er die viel beachtete Produktion „Abschied
vom Limmathof“ und 2002 „Häusergeschichten“ in Zusammenarbeit mit dem Forum Claque in Baden. Auf der Festung Aarburg führte er 2002 und 2004 Regie in den beiden Stücken „D Fahneweih - es Summernachtsfescht“ von Ernst Burren und „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ von Ferdinand Raimund. 2005 inszeniert er am Theater Biel Solothurn das Stück „Willkommen im Mittelland“.
In Baden initiierte und gestaltet er seit 2002 die jährliche Veranstaltung „Baden liest“, ein Festival intime der Literatur, sowie die beiden Reihen „Vom Tee trinken und vom Tee erzählen“ und „Vom Kakao zur Schoko-ade - eine bitter süsse Verführung“.
Daneben spielte er in diversen Filmen, etwa von Mathias Zschokke, Fredi M. Murer, Stina Werenfels, Esen Izik, Alain Tanner, Christoph Schaub, Lutz Konnermann, Urs Egger, Sabine Boss und Michael Steiner.
2008 initiierte und inszenierte er in Baden das Projekt „Hotel offen“ in Baden.
2009 spielte er am Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen unter der Regie von Hansgünther Heyme den Antonio in Torquato Tasso.
Regisseur. Seine Ausbildung erhielt er bei Ellen Widmann in Zürich und am Reinhard Seminar in Wien. Es folgten Engagements am Stadttheater Bern, der Claque Baden, dem Theater Basel und in zahlreichen freien Produktionen in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Von 1998 bis 2000 war er als Schauspieler am Schauspielhaus Zürich, so z.B. in „Woyzeck“ Regie Karin Henkel, engagiert. 1999 inszenierte er die viel beachtete Produktion „Abschied
vom Limmathof“ und 2002 „Häusergeschichten“ in Zusammenarbeit mit dem Forum Claque in Baden. Auf der Festung Aarburg führte er 2002 und 2004 Regie in den beiden Stücken „D Fahneweih - es Summernachtsfescht“ von Ernst Burren und „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ von Ferdinand Raimund. 2005 inszeniert er am Theater Biel Solothurn das Stück „Willkommen im Mittelland“.
In Baden initiierte und gestaltet er seit 2002 die jährliche Veranstaltung „Baden liest“, ein Festival intime der Literatur, sowie die beiden Reihen „Vom Tee trinken und vom Tee erzählen“ und „Vom Kakao zur Schoko-ade - eine bitter süsse Verführung“.
Daneben spielte er in diversen Filmen, etwa von Mathias Zschokke, Fredi M. Murer, Stina Werenfels, Esen Izik, Alain Tanner, Christoph Schaub, Lutz Konnermann, Urs Egger, Sabine Boss und Michael Steiner.
2008 initiierte und inszenierte er in Baden das Projekt „Hotel offen“ in Baden.
2009 spielte er am Theater im Pfalzbau in Ludwigshafen unter der Regie von Hansgünther Heyme den Antonio in Torquato Tasso.
Madeleine Lehmann, Ausstattung
Wurde 1957 in Luzern geboren und besuchte dort die Kunstschule.
Danach war sie als Assistentin und Bühnenbildnerin an den Städtischen Buhnen Dortmund tätig. Sie entwarf zahlreiche Ausstattungen für Theater und Film in Deutschland und in der Schweiz. Das Jahr 2007 verbrachte sie, gefördert vom Solothurner Kuratorium, in der Pariser Cité Internationale des Arts. Am Theater Biel Solothurn stattete sie in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Stücke
aus, u.a. «Das Leben ist Traum», «Candide», «Die Gerechten», «Die
Schöpfung/Der Kaiser von Atlantis», «Iphigenie», «Frühlingserwachen» und «Orfeo ed Euridice».
Danach war sie als Assistentin und Bühnenbildnerin an den Städtischen Buhnen Dortmund tätig. Sie entwarf zahlreiche Ausstattungen für Theater und Film in Deutschland und in der Schweiz. Das Jahr 2007 verbrachte sie, gefördert vom Solothurner Kuratorium, in der Pariser Cité Internationale des Arts. Am Theater Biel Solothurn stattete sie in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Stücke
aus, u.a. «Das Leben ist Traum», «Candide», «Die Gerechten», «Die
Schöpfung/Der Kaiser von Atlantis», «Iphigenie», «Frühlingserwachen» und «Orfeo ed Euridice».
Nicole Sommerhalder, Produktionsleitung
Wurde 1983 in Aarau geboren. Ihre ersten Schritte in der kulturellen Tätigkeitmachte sie mit der Gründung des Openair SKAarau im Herbst 2003.
Im Winter 2007 begann sie mit der Kulturmanagement Ausbildung im
Stapferhaus Lenzburg. Aktuell studiert sie Kulturmanagement an der Hochschule Luzern.
Nach dreijähriger Tätigkeit im Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau ist sie zurzeit in der Projektleitung der Jugendräume Wenk in Aarau tätig.
Im Winter 2007 begann sie mit der Kulturmanagement Ausbildung im
Stapferhaus Lenzburg. Aktuell studiert sie Kulturmanagement an der Hochschule Luzern.
Nach dreijähriger Tätigkeit im Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau ist sie zurzeit in der Projektleitung der Jugendräume Wenk in Aarau tätig.